Sp?testens, wenn die CeBIT einen Trend zum eigenen Motto erhebt, wird er vom Mainstream ernstgenommen. Diesen M?rz war das die ?Shareconomy“ – es geht um das Teilen und Tauschen unter Konsumenten, das via Smartphone und Internet weltweit und mit Millionen Unbekannten m?glich wird. Das Teilen von Autos ist kein neues Ph?nomen. Aber gerade in den letzten Jahren verzeichnete es rasante Zuw?chse – nicht nur in Bezug auf die Anzahl der Nutzer, sondern vor allem auch auf die Anzahl und Vielfalt der Anbieter.

Carsharing boomt. Aktuell w?chst die Zahl unserer Nutzer j?hrlich um 20 Prozent, laut einer Studie des Bundesverbands der deutschen Carsharing-Anbieter bcs. W?hrend Ende 2011 der europ?ische Markt 0,7 Millionen Teilnehmer umfasste, werden für 2020 fast 15 Millionen Teilnehmer prognostiziert. Die Anzahl der Fahrzeuge wird sich von circa 21.000 auf rund 240.000 erh?hen. Auch das Peer-to-Peer Carsharing legt ein rasantes Wachstum vor. Die Zahl der Mitglieder wird voraussichtlich auf das Fünffache ansteigen, die Zahl der Fahrzeuge zumindest auf das Zehnfache – meint der Management-Berater Frost in einer Studie von 2012.

Inzwischen hat jeder Automobilhersteller, der etwas auf sich h?lt, ein Modell zum Teilen: die Platzhirschen car2go von Daimler und DriveNow von BMW, aber dann gibt es auch noch?Multicity von Citroen, Mu von Peugeot, Twizy Way von Renault?und Ford2go von – überraschung – Ford. Toyota denkt und tut in Japan schon einen Schritt weiter und verbindet Carsharing systematisch mit dem ?V – Ha:mo steht für ?Harmonische Mobilit?t“.

Alleine im Jahr 2011 hat sich aber auch die Anzahl der Peer-to-Peer-Anbieter in Europa verdoppelt (Frost 2012).

Die Konzepte variieren; es ist offensichtlich, dass hier noch experimentiert wird bzw. werden muss. (Wir werden uns in diesem Blog noch ausführlich mit den interessantesten Konzepten besch?ftigen.) Bei einem solchen Wachstum sind Konsolidierungsprozesse in naher Zukunft wahrscheinlich. Welche Konzepte überleben oder sogar dominieren werden, h?ngt mitunter von Details im Gesch?ftsmodell ab. Aktuell versuchen sich vor allem Automobil-Hersteller und klassische Autovermietungen, beide gerne in Kooperation mit St?dten und/oder anderen Verkehrsbetrieben wie der Deutschen Bahn im neuen Markt zu etablieren. Richtig interessant ist aber, dass wichtige Innovationsimpulse von bislang branchenfremden Akteuren kommen, allen voran Start-Ups wie www.tamyca.de oder www.autonetzer.de, die – wie im Falle von Peer-to-Peer-Sharing – nicht mehr brauchen, als eine Website, eine Smartphone-App, einen Mustervertrag und eine Community.

Derzeit gibt es im Groben drei Kategorien von Car-Sharing-Anbieter:

  • stationsgebundenes Carsharing: Die klassische und ?lteste Form des Carsharing. Hier k?nnen Kunden an fixen Standorten Fahrzeuge von einem kommerziellen Carsharing-Unternehmen mieten und wieder zurückgeben. In ?sterreich war bis 2011 DenzelDrive der alleinige Anbieter, der 2012 von zipcar übernommen wurde, und seitdem als carsharing.at operiert.
  • Free-float Carsharing: Wird ebenfalls von kommerziellen Anbietern angeboten – in ?sterreich und Deutschland vor allem von den Carsharing-Ablegern der Automobilhersteller wie hierzulande car2go oder in Deutschland und den USA DriveNow. Die Fahrzeuge k?nnen an allen m?glichen Parkpl?tzen innerhalb eines definierten Gebiets angemietet und zurückgegeben werden.
  • Peer-to-Peer-Carsharing: Hier vermitteln Carsharing-Plattformen im Internet Privatpersonen, die ihr eigenes Fahrzeug vermieten m?chten, an potentielle Mieter. Die Carsharing-Plattform vermittelt au?erdem eine Versicherung für das Fahrzeug. In ?sterreich gibt es die Anbieter www.carsharing247.com oder www.autoshare.at. In Deutschland sind die drei gr??ten Anbeiter tamyca.com, autonetzer.de und nachbarschaftsauto.de.

Die Experimentier-Lust am Carsharing-Markt ist voll ausgebrochen. Mischformen und Nischenangebote entstehen, und es macht richtiggehend Spa?, zuzusehen, welche Gesch?ftsmodelle da so aufpoppen. Bei CiteeCar kümmern sich die User selbst um Wartung und Stellplatz für das Fahrzeug – dafür fahren alle günstiger. Bei FlightCar stellen Flugpassagiere für den Zeitraum ihrer Reise ihren PKW einem Carsharing-Anbieter zur Verfügung – und verdienen damit anstatt Parkgebühren zu bezahlen. Mit car2share (von Daimler in Kooperation mit autonetzer.de) mieten bzw. erwerben die Bewohner der Siedlung ?Marina auf der Schlossinsel“ in Hamburg-Harburg, mit ihrer Wohnung auch ein Auto, wann immer sie das m?chten.? Bei so viel Dynamik ist erstaunlich, dass die erste internationale Konferenz zum Thema ?Kollaborative Moblilit?t“ erst heuer stattfindet – und zwar im Mai in Luzern/Schweiz (Infos hier). Da war die CeBit mit ihrer Shareconomy schneller…