Eine unserer Thesen: Es geht nicht nur darum, von A nach B zu kommen – sondern zunehmend auch darum, wie. Der Lifestyle-Faktor der Mobilit?t explodiert. Kein Wunder, bislang hatte das Auto als einziges Verkehrsmittel richtige Lifestyle-Kompetenz. Automobilhersteller wissen uns schon lange mit Design, Sitzbezügen, Features und vor allem ganz viel Emotion zu verführen. ?ffis und Fahrrad haben da lifestyle-m??ig noch sehr viel Luft nach oben.

Gerade beim Fahrrad hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Das Fahrrad wurde zum urbanen Stil-Icon. Da traten die Retro-R?der, die Fixies und die handgebauten Einzelstücke auf den Plan. Sie alle zeigten, dass das Radfahren definitiv noch nicht chic genug! Radfahren mit Stil – das zeigten in den letzten Jahren die Hipster in Berlin, New York und London. Letztes Jahr kam ein ganzer Bildband darüber heraus: Horst A. Friedrich zeigt in “Cycle Style” jede Menge urbaner Dandys in Tweed auf Retro-R?dern.

Man mag so viel Vertr?umtheit und Verspieltheit bel?cheln. Was sich aber ganz klar zeigt, ist, dass Radfahren schon l?ngst nicht mehr nur seine Popularit?t genie?t, weil es funktionell ist – sprich: schnell, individuell, ?kologisch -, sondern weil man damit einen bestimmten Lifestyle lebt und demonstriert. Weil die Besch?ftigung damit Spa? macht, weil man damit einer Community/Subkultur angeh?rt, weil es cool aussieht. Für all diese Faktoren nimmt man auch Einbu?en an der Funktionalit?t in Kauf. Das Fahrrad wird zur Projektionsfl?che für Identit?t und Emotion. Ganz so wie das Auto es das letzte Jahrhundert vorgemacht hat. Pl?tzlich k?nnen auch Fahrr?der mit Features wie handgearbeiteten Lenkern aus Eichenholz aufwarten. Das Fahrrad aus handverlesenen Einzelteilen wird zum Status-Symbol schlechthin. Für Andere ist Radfahren der Dreh- und Angelpunkt ihres gesamten restlichen Styles – je nach Zweirad werden Accessoires, Make-Up und Kleidung dazu zusammengestellt.

Die Lektion, die uns der Cycle-Chic lehrt, ist: Lifestyle hat ein enormes Potential, Schw?chen und Nachteile zu kompensieren. Emotionalit?t schl?gt Funktionalit?t. Dieses Prinzip gilt es zu nutzen. Wir sind gespannt, wenn die Hipster die ?ffis für sich entdecken, und U-Bahn-Fahren mit Stil etablieren.

PS – Für alle, die es trotz Style funktionell haben wollen, hier zwei Links:

Levi’s legte schon vor ein paar Jahren seine Commuter’s-Collection auf. Jeans mit dem Anspruch ?Form. Function. Cycling.“ auf einen Nenner zu bringen. U. a. mit Stoffen, die wasserabweisend, schmutzresistent und strapazierf?hig sind, mit 3M-Reflektionsmaterialien versehen sind und im Schnitt natürlich auf Bewegungsfreiheit achten. Verst?rkungen im Schrittbereich oder ein etwas h?herer Bund, der den unteren Rücken schützt, sollen Radfahrer überzeugen. Au?erdem gibt’s in der Ausstattung so Dinge wie Lüftungsschlitze, Extra-Schlaufen, in denen man sein Fahrradschloss unterbringt. Das sieht alles recht l?ssig und urban aus – gibt es allerdings nur für M?nner.

Die Lücke weibliche, businesstaugliche Mode schlie?t das Angebot von Iva Jean aus den USA. Die Kollektion ist klein, dafür businesstauglich und ist v?llig frei von jeglichem sportiven Elementen. So sieht der Reveal-Skirt einfach nach einem klassischen, schwarzen Bleistift-Rock aus. Seine Rafinesse beweist er, wenn der Rock-Teil aufgezippt wird und daraus ein fahrradfreundlicher weiter Rock wird. Au?erdem sehr schick: diese Kollektion an Fahrradhelmen für Frauen von Sawako Furuno.