Unter den vielen wirklich neuen Dingen, die uns das Internet beschert hat, ist das Peer-to-Peer-Prinzip eines der folgenreichsten. Das Peer-to-Peer-Prinzip krempelte und krempelt immer noch in den verschiedensten Branchen Gesch?ftsmodelle von Grund auf um. Die Musikindustrie begann zu zittern, als Musikliebhaber über Napster Musik unter einander einfach zu verschenken begannen. Mittlerweile buchen wir unseren Urlaub über airbnb, lassen uns bei Amazon von anderen Usern zum Kauf beraten und leihen uns schon mal das Auto bei einem privaten Carsharer aus.

Das Peer-to-Peer-Prinzip in der Mobilit?t ist als Carsharing, Bikesharing, Parkplatz-sharing, etc. wichtig und bedeutend. Dazu wird in diesem Blog noch oft genug die Rede sein. Zunehmende Bedeutung bekommt die schnelle Austauschform jetzt auch im Bereich der Verkehrsinformation.

Im deutschsprachigen Raum sieht es diesbezüglich noch etwas unentwickelt aus. Aber in den USA wurden schon die ersten Verkehrsredakteure gegen die Crowd getauscht. So geschehen bei NBC-2 in Florida. Dort richtete man zun?chst nur eine eigene Pendler-Gruppe auf dem Peer-to-Peer-Dienst Waze ein. Dann bezog man die dort ausgetauschten Verkehrsinfos in die eigenen Meldungen ein. Sp?ter verwendete man ausschlie?lich Daten aus der Waze-Community. Auch in Los Angeles verwendet der Sender ABC seit 2011 Daten aus Waze für den eigenen Verkehrsfunk.

Waze ist eine Art facebook für Autofahrer. Autofahrer verbinden sich über die Smartphone-App mit anderen (bekannten und unbekannten) Autofahrern. Sie tauschen sich über die aktuelle Verkehrslage aus. Jeder Nutzer erh?lt abgestimmt auf seinen Standort und seine Route die usergenerierten Verkehrsmeldungen als Push-Meldung. Manche davon kommen auch gleich mit Bild oder Video. Gleichzeitig werden die GPS- und Geschwindigkeitsdaten der Nutzer anonymisiert ausgewertet. über diese ?Floating Car Data“ wird ein Bild der Verkehrslage erstellt. Dieses flie?t in die Navigationsempfehlungen, die Waze ebenso anbietet, ein.

In ?sterreich ist Waze im Anfangsstadium. Die Kartographierung bei Waze erfolgt ebenfalls ausschlie?lich user-generiert, und zwar über ein automatisches Tracking der Smartphones, deren Besitzer ihr Einverst?ndnis in der App gaben. Für ?sterreich sind jedenfalls die Autobahnen bereits kartographiert, und laut Wikipedia auch die meisten Bundesstra?en.

Bereits seit geraumer Zeit erlaubt Aharadio eine Art Peer-to-Peer-Verkehrsinfo. In der US-amerikanischen App nehmen User ihre Verkehrsmeldung als Audio-File auf. Ein sogenannter ?Shout“ dauert max. 15 sec. über GPS werden die ?Shouts“ mit den Geo-Informationen getagged. Jeder Nutzer erh?lt w?hrend seiner Fahrt die für ihn relevanten Shouts zugespielt. Ein personalisierter, user-generierter Verkehrsfunk entsteht.

Und ganz basic funktioniert eine Peer-to-Peer-Verkehrsinfo in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Dort unterstützt eine NPO (?) die Organisation eines Verkehrsfunks per Twitter. Die Meldungen über das Verkehrsgeschehen gelangen über Telefon, SMS, Twitter und eigens bezahlte Verkehrsbeobachter in die Redaktion von jamless, die dann über Twitter einen Info-Stream generiert.