Je flexibler unsere Mobilität gestaltet wird, desto vielfältiger entwickeln sich Geschäftsmodelle und damit Pricing- und Tarifmodelle. Im Öffentlichen Verkehr stößt die Innovationsfähigkeit schon durch die Tarifverbünde an ihre Grenzen. Jede Änderung, jede Weiterentwicklung muss hier mit zig Partnern abgesprochen werden. Das macht Innovationen schwer und langsam. In den letzten Jahren scheint sich aber auch in diesem Bereich etwas zu tun.

In diesem Beitrag wollen wir über Innovationen in Pricing- und Tarifmodellen ganz anderer Art sprechen. Mit einer Handvoll Beispielen zeigen wir, in welche Richtungen es auch gehen kann.

Mit dem ganz banalen Low-Cost-Gedanken hat in den 1990er-Jahren Ryanair die Flugbranche revolutioniert. Wirklich günstig fliegen, sodass es für jedermann leistbar wird. Diesem Beispiel folgt im Carsharing seit ein paar Monaten CiteeCar (hier im Interview), seit letzter Woche in München und damit der dritten Stadt innerhalb eines guten halben Jahres.  Seit April macht jetzt die französische Bahn SNCF in Low-Cost – und zwar mit ihren Hochgeschwindigkeitszügen. Mit Ouigo fährt man schon ab EUR 10 durch Frankreich. Die Züge sind im Doppelstock ausgebaut, Fahrscheine gibt es ausschließlich online, und es gibt nur eine einzige Klasse für alle. Es gibt keinen Barwagen, dafür wird bereits vorab darauf hingewiesen, dass man sich im Bahnhof mit Proviant eindeckt.

Das Preis-Modell Flat-Rate ist ein anderes besonders attraktives. Im ÖV kennt man die Flat-Rate ja nur als Wochen-, Monats- oder Jahreskarte, die einem gewissermaßen Mobilität zum Fixtarif ermöglicht. Dass dieses Modell auch für Fluglinien funktioniert, demonstriert die SurfAir in Kalifornien – brandneu ab 10. Juli. Gegen eine Monatsgebühr von ab US$ 1.650 ist man Mitglied, und als solches dazu berechtigt, unlimitiert im Flugnetz von SurfAir zu fliegen. Da ist zugegebenermaßen derzeit noch klein – San Francisco, Los Angeles und Santa Barbara. Aber alles andere ist bemerkenswert: Man bucht unkompliziert und kurzfristig per Handy. Dann geht man direkt vom Auto/Taxi zum Flugzeug – eigene Angaben „in max. 5 Minuten“. Keine Gepäcklimits, keine extra Gebühren für irgendetwas anderes.

Ein schönes anderes Pricing-Modell ist jenes, einfach andere für den Fahrschein bezahlen zu lassen. Das machte in Spanien Anfang des Jahres Promobilletes vor: Über die Plattform konnte man Fahrscheine für die Verkehrsbetriebe in Barcelona kaufen – mit einem Rabatt von 50%. Die anderen 50% übernahmen Sponsoren, die im Gegenzug ihre Werbebotschaft auf dem Fahrschein platzieren durften. Das Programm war ein großer Erfolg. Vielleicht etwas zu groß – denn es wurde kurze Zeit nach dem Launch wegen „rechtlicher Unsicherheiten“ wieder abgesetzt. Derzeit verweist man auf der Website darauf, dass man zuversichtlich ist, das Service bald wieder anbieten zu können.

Das Pilotprojekt „mo – mobility for tomorrow“ experimentiert ebenfalls mit flexiblen Preismodellen: Über eine Mitgliedskarte sollen Fahrräder, Frachtenräder, e-Autos und der Öffentliche Verkehr verwendet werden können. Wer ein umweltfreundliches Verkehrsmittel oder das eigene Fahrrad verwendet, sammelt „momiles“. Je mehr momiles gesammelt werden, desto niedriger fällt die Gesamtrechnung am Ende des Monats aus. Wer also vor allem Fahrrad fährt, kann sich sehr günstig hin und wieder einmal ein Auto leihen.

Ein wunderschönes Beispiel für eine städtische Initiative ist bereits ein paar Jahre alt. In Murcia, Spanien, bot 2010 die Stadtgemeinde allen, die ihr Auto verschrotten ließen, ein lebenslang gültiges ÖV-Ticket an. Die Verschrottungen wurden gefilmt und über einen eigenen Social-Media-Kanal veröffentlicht, um auch andere zu animieren.